Junge christliche und muslimische Führer aus der Zentralafrikanischen Republik haben auf Privatinitiative einen zivilen Nichtangriffspakt zwischen ihren Gemeinschaften unterzeichnet. Es ist der erste Kontrakt dieser Art in dem Land, das seit sechs Jahren einen blutigen inneren Konflikt durchlebt.

Die Initiative ging demzufolge von zwei jungen Männern aus, einem Christen, Fabrice Dekoua, und einem Muslim, Ibrahim Abdouraman. Sie entschlossen sich, in ihrem Umfeld eine Sensibilisierungskampagne gegen bewaffnete Gewalt und für Frieden durchzuführen. Immer mehr junge Menschen aus den jeweiligen Gemeinschaften schlossen sich der Initiative an. Dies führte zur Unterzeichnung des Nichtangriffspaktes am 25. März 2019 in der Hauptstadt Bangui, berichtete African News Television.

Die Zentralafrikanische Republik befindet sich seit 2013 in einem Bürgerkrieg, in dem sich mehrere rivalisierende Militärfraktionen gegenseitig bekämpfen. Sie kontrollieren etwa 80 Prozent des Landes, obwohl mehr als 12.000 UNO-Soldaten zur Stabilisierung des Landes im Einsatz sind (UNMISCA). Die vorangegangenen Friedensvereinbarungen hatten keinen langen Bestand. Staatliche Strukturen sind vielerorts kaum mehr existent. Das internationale UNO-Kontingent und die nationale Armee versuchen, Gewalt gegen die Zivilbevölkerung zu verhindern. Viele Menschen haben Zuflucht in Kathedralen oder Kirchen gefunden.

Zwei bewaffnete Gruppen haben sich bei der Gewalt in Zentralafrika besonders hervorgetan. Es ist die Koalition der Seléka, die sich aus Muslimen rekrutiert, sowie die Anti-Balaka, eine pro-christliche Miliz. Beide Terrorgruppen wollten dem Konflikt vergeblich einen religiösen Charakter unterlegen.

Papstbesuch 2015

Im Dezember 2015 stattete Papst Franziskus dem Land einen zweitägigen Besuch ab (30. November und 1. Dezember) und warb für Frieden, Vergebung und Versöhnung. In der Großen Moschee in Bangui wurde er von den Muslimen empfangen und sagte ihnen, Christen und Muslime seien Brüder. Diesem Beispiel folgt die Friedensinitiative der beiden jungen Zentralafrikaner.

„Wir haben auf diese Vereinbarung hingearbeitet, um alles zu stoppen, was Gewalt gegen den anderen auslösen kann“, sagte Fabrice Dekoua. Der Pakt sei gleichzeitig die Verpflichtung und der Wunsch, friedlich zusammenzuleben. Außerdem ziele die Vereinbarung darauf, dass Flüchtlinge nach Zentralafrika zurückkehren können. Im Land gibt es rund 700.000 Binnenflüchtlinge, etwa 570.000 Bewohner sind ins Ausland geflohen.

Am vergangenen 6. Februar unterzeichneten die Regierung in Bangui und die bewaffneten Gruppen ein nationales Friedens- und Versöhnungsabkommen, das neue Hoffnung auf Frieden im Land gibt. Es ist die achte derartige Vereinbarung seit 2012.

Quellen: cath.ch / AFP