PAKISTAN: Ehepaar seit Jahren in getrennten Todeszellen

Nach Angaben der Menschenrechts-Organisation CitizenGO gibt es in Pakistan über 150 wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilte Christen. Nach der Freilassung Asia Bibis konzentrieren sich die Bemühungen pakistanischer Menschenrechtsaktivisten jetzt auf den Fall von Shaguftah Kauser und Shafqat Masih.

Shaguftah und ihr behinderter Ehemann Shafqat werden beschuldigt, blasphemische Textnachrichten an einen muslimischen Geistlichen versandt zu haben. Dabei wird völlig außer Acht gelassen, dass beide – wie so viele Menschen in den ländlichen Regionen Pakistans – Analphabeten sind. Sie können weder lesen noch schreiben können und die blasphemischen Textnachrichten sind in englischer Sprache verfasst.

Christen in Not hat darüber in der Ausgabe 05/2019 der Zeitschrift „Christen in Not – aktiv“ auf Seite 3 berichtet (siehe Verweis zum Runterladen unten).

Die beiden befinden seit ihrer Verhaftung im Jahr 2013 im Gefängnis. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass Shagufta in derselben Zelle im Provinzgefängnis von Multan einsitzt, in dem auch Asia Bibi längere Zeit verbrachte. Bereits seit Monaten wartet das Ehepaar auf die Berufungsverhandlung über die gegen sie verhängte Todesstrafe. Ein Urteil, das der High Court in Lahore bereits im Jahr 2014 gefällt hatte.

Vor ihrer Verhaftung lebten die Eheleute in der Stadt Gojra in der an Indien grenzenden Provinz Punjab. Shaguftah hatte dort als Reinigungskraft an der örtlichen, von der Kirche betriebenen Schule, gearbeitet. Sie musste mit ihrem dürftigen Einkommen die Familie mit dem Nötigsten versorgen, da ihr Ehemann nach einem im Jahr 2004 erlittenen Unfall von der Hüfte abwärts gelähmt ist.

Falsches Geständnis durch Folter erzwungen

Es gibt Hinweise, dass eine Kopie von Shaguftahs Ausweisdokumenten für den Kauf einer SIM-Karte benutzt wurde, von der aus die blasphemischen Nachrichten versandt wurden. Polizei und Anklagebehörden waren nicht in der Lage, gegen das Paar entsprechende Beweise vorzulegen. Die SIM-Karte stellte sich als Fälschung heraus und das Handy, von dem die Texte versandt wurden, ist verschwunden. Die gesamte Anklage stützt sich auf den Quittungsbeleg für eine SIM-Karte, die ein örtlicher Händler verkauft hatte … Nach seiner Verhaftung wurde Shafqat in der örtlichen Polizeistation durch Folter zu einem Geständnis gezwungen. Er machte dieses Geständnis um seiner Frau diese Qualen zu ersparen.

Das Paar wird vor Gericht nun von Saif-ul Malook, demselben tapferen Anwalt, der auch Asia Bibi verteidigt hatte, vertreten. Dieser befürchtet, dass der Richter, der die Todesstrafe gegen das Ehepaar verhängte, durch Anwälte und religiöse Anführer massiv eingeschüchtert worden ist. Es wird berichtet, dass beide Beschuldigten unter schweren Depressionen leiden, da sie über sechs Jahre voneinander getrennt in verschiedenen Gefängnissen inhaftiert sind. Zudem soll Shafqat massive Wirbelsäulen-Schäden haben, da er lange Zeit auf einem Bett liegen musste, von dem er sich nicht aus eigener Kraft erheben konnte. Das Paar hat vier Kinder im Alter von 9 bis 15 Jahren, die sich in der Obhut einer Tante befinden und mittlerweile auch um ihr Leben fürchten.

Pakistans Blasphemiegesetze werden von Muslimen oft gegen Christen und andere Minderheiten eingesetzt. Nach der Freilassung und Ausreise Asia Bibis herrscht weiterhin eine angespannte Atmosphäre im Land und es gibt massive Vorurteile, sodass es für Shaguftah und ihren Ehemann schwierig ist, ein faires Verfahren zu bekommen.

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Christen in Not arbeitet seit Jahren eng mit der pakistanischen Menschenrechtsorganisation FACES zusammen. Unser Projektpartner FACES  hilft – mit der Unterstützung unserer SpenderInnen – vor Ort bei diesem Fall und ähnlichen Fällen zu Unrecht inhaftierter Christen. Helfen Sie uns zu helfen – spenden Sie jetzt!

Quelle: citizenGO / christeninnot

Shagufta Kauser und ihr Ehemann Shafqat Masih, gemeinsam haben sie vier Kinder im Alter von 9-15 Jahren

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Lesen Sie mehr dazu in der Ausgabe 05/19 unserer Zeitschrift „Christen in Not – aktiv“: