Bei Befragung sexuell missbraucht

Islamabad/Lahore – Die Nachrichten von willkürlichen und von der pakistanischen Polizei weitgehend geduldeten Übergriffen auf Christen werden immer dramatischer. Großes Aufsehen im Land erregte der jüngste Fall der beiden Cousins Sajid und Patras Masih in der Provinz Punjab. Dem 18-jährigen Patras war zunächst vorgeworfen worden, ein blasphemisches Foto auf facebook veröffentlicht zu haben. Innerhalb von 12 Stunden organisierten radikale Muslime in der Stadt Shahdara einen Protest, der völlig außer Kontrolle geriet. Aus Angst vor Lynchjustiz mussten daraufhin 800 christliche Familien ihre Häuser fluchtartig verlassen.

Folter und sexuelle Gewalt bei Verhör

Während der für beide verhängten Untersuchungshaft soll bei einem Verhör sogar schwere sexuelle Nötigung als Druckmittel eingesetzt worden sein. Nachdem die Polizisten Sajid gefoltert und zu Oralsex mit seinem Cousin aufgefordert hatten – was dieser verweigerte – sah der 24-Jährige in einem Sprung aus dem Fenster im vierten Stock den
letzten Ausweg. Sajid überlebte schwer verletzt.

Der in Pakistan bekannte Aktivist Jibran Nasir erhebt schwere Vorwürfe gegen die Sicherheitskräfte, die den Vorfall nun als versuchten Selbstmord darstellten. Dabei habe Sajid Masih lediglich versucht, Folter und sexueller Gewalt zu entkommen. Nasir sieht in dem Verfahren einen Verstoß gegen die Menschlichkeit und rief sogar den Präsidenten des obersten Gerichtshofs auf, die beiden jungen Christen samt Familien zu schützen und gegen die verantwortlichen Polizisten rechtlich vorzugehen.

Gewalt gegen Christen: Widerstand wächst

Es reicht! Die Christen Pakistans gehen jetzt auf die Straße. © FACES Pakistan

In Pakistan fehlt Minderheiten, vor allem Christen, weitgehend das Recht auf einen fairen Prozess. Trotz eskalierender Gewalt-Exzesse gibt es einen Funken Hoffnung.  Jetzt formiert sich der gemeinsame Widerstand der Christen gegen den zunehmenden Missbrauch des Blasphemiegesetzes.  Bei einer spontanen Protestkundgebung prangerte u.a. das „Pakistan Christian Action Committee“ (PCAC) in Lahore mangelhafte Ermittlungen, Folter und Missbrauch im Fall der beiden Cousins Masih an. Auch die protestantischen Bischöfe Azad Marshall und Irfan Jamil, sowie der Medienbüroleiter der Bischofskonferenz, Qasir Feroz, protestierten. Gemeinsam mit dem presbyterianischen Pfarrer Amjad Niamat forderten sie die Regierung auf, Verstöße gegen Menschenrechte endlich zu ahnden. Gleichzeitig wurde ein neues Aktionskomitee gegründet, bestehend aus Vertretern verschiedener Kirchen, NGOs und Menschen aller Gesellschaftsschichten. Aufgabe dieses Komitees ist es, Lobbyarbeit und Konfliktlösung, aber auch Proteste gegen Ungerechtigkeiten zu organisieren.

Besonders im Stadtteil Shadar müsse die Sicherheit der Christen wieder gewährleistet werden, nachdem viele Familien im Zuge der Vorwürfe gegen die Cousins Masih vertrieben wurden, betonen die Aktivisten. (asianews/ucanews/fides/faces pakistan)