Eine knappe Woche vor der Ägyptenreise von Papst Franziskus fordert der Vatikan die großen Religionen eindringlich zu einem Bekenntnis zum Frieden auf. „Das Thema Religion findet sich derzeit immer wieder auf Seite eins der Zeitungen – leider oft im Zusammenhang mit Gewalt.“ Das schreibt der Präsident des päpstlichen Dialogrates, Kardinal Jean-Louis Tauran, in einer Botschaft, die am vergangenen 22. April veröffentlicht wurde.

Das Schreiben aus dem Vatikan richtet sich an die Buddhisten, Anlass ist ihr Vesakh-Fest (s. Foto). Der Inhalt allerdings geht keineswegs nur oder in erster Linie Buddhisten an, sondern zielt auf die Religionen überhaupt. Religionen müssten „dringend eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit fördern“, schreibt der aus Frankreich stammende Kurienkardinal.

„Während viele Gläubige sich tatsächlich für Frieden einsetzen, instrumentalisieren andere die Religion, um Taten der Gewalt und des Hasses zu rechtfertigen“, beklagt Tauran. Zwar sei die weltweite Zusammenarbeit zwischen den Religionen immer enger, „doch gleichzeitig erleben wir auch eine Politisierung der Religion“. Das verlange von den Religionen „ein Zurückweisen von Gewalt in all ihren Formen“.

„Die Religionen sollten die Gründe für Gewalt analysieren“

Mit einer Verneigung vor Buddha rühmt der Vatikan, dass dieser sich ebenso wie Jesus Christus für Gewaltlosigkeit und Frieden eingesetzt habe. Was er dann vorschlägt, betrifft allerdings erneut die Religionen insgesamt: Sie sollten die Gründe für Gewalt analysieren und ihre Anhänger lehren, wie sie „das Böse in ihren Herzen bekämpfen“ können. Das ist genau die Botschaft, die der Papst am kommenden Freitag und Samstag (am 28. und 29. April, Anm.) in der ägyptischen Hauptstadt Kairo verbreiten will. Um den Buddhismus wird es da eher nicht gehen… (radio vaticana)