Aserbaidschan: Armenische Kirchengebäude zerstört
Baku – In der Region Bergkarabach sind zwei bedeutende armenisch-christliche Gotteshäuser zerstört worden. Satellitenbilder, die Ende April veröffentlicht wurden, zeigen die weitgehende Zerstörung der Kathedrale in Chankendi (Stepanakert) sowie der St.-Jakobs-Kirche. Beide Gebäude galten als wichtige religiöse und kulturelle Zentren der armenischen Bevölkerung.
Die Kathedrale, deren Bau 2006 begonnen und die 2019 geweiht worden war, diente während der Kämpfe in den vergangenen Jahren auch als Schutzraum für Zivilisten. Die St.-Jakobs-Kirche wurde 2007 errichtet und von einem armenisch-amerikanischen Stifter finanziert. Nach Berichten wurden zudem Kreuzsteine auf dem Gelände entfernt, was den Eindruck einer umfassenden Zerstörung religiöser Spuren verstärkt.
Kirche: christliches Erbe soll ausgelöscht werden
Die armenisch-apostolische Kirche erhebt schwere Vorwürfe gegen die Behörden Aserbaidschans. In einer Stellungnahme wird von gezielten Maßnahmen gesprochen, die darauf abzielten, das armenisch-christliche Erbe in der Region auszulöschen. Die Zerstörung religiöser Stätten wird dabei als Teil eines umfassenderen Vorgehens gegen die kulturelle Identität der armenischen Bevölkerung interpretiert.
Die Regierung in Baku weist diese Anschuldigungen entschieden zurück. Vertreter sprechen von „Provokationen“ und betonen, dass Aserbaidschan den Schutz religiöser und historischer Denkmäler als staatliche Aufgabe betrachte. Es habe keine Absicht gegeben, christliche Stätten zu zerstören.
100.000 mussten aus Heimat fliehen
Der Vorfall steht im Zusammenhang mit den jüngsten Entwicklungen in Bergkarabach. Nachdem Aserbaidschan im September 2023 die vollständige Kontrolle über die Region übernommen hatte, flohen rund 100.000 ethnische Armenier. Beobachter sehen darin eine tiefgreifende Veränderung der religiösen und kulturellen Landschaft. (Über das Schicksal der Bergkarabach-Flüchtlinge in Armenien berichtete CiN zuletzt im Oktober: Zeitschrift CiN-aktiv 10/2025, mit einem Klick hier nachzulesen.)
Menschenrechtsorganisationen weisen zudem darauf hin, dass religiöse Aktivitäten in Aserbaidschan strengen staatlichen Kontrollen unterliegen. Insbesondere christliche Minderheiten berichten immer wieder von Einschränkungen und Schikanen. Die Zerstörung der Kirchen verstärkt daher die Sorge, dass nicht nur Menschen vertrieben, sondern auch ihre religiösen Spuren dauerhaft ausgelöscht werden könnten.