Nigeria: 13-Jährige stirbt kurz nach Freilassung aus Geiselhaft
Kaduna – Nach mehr als sechs Monaten in der Gewalt bewaffneter Entführer schien die Hoffnung auf ein neues Leben groß. Doch nur zwei Tage nach ihrer Freilassung starb die 13-jährige Hasana Bulus am 3. November 2026 in einem Krankenhaus in Kachia im nigerianischen Bundesstaat Kaduna. Das Mädchen war während der Geiselhaft schwer erkrankt.
Monate der Angst und des Hungers
Hasana war am 20. April gemeinsam mit zehn weiteren Menschen aus dem Dorf Awon von einer bewaffneten Fulani-Miliz verschleppt worden. Am 1. November wurde sie zusammen mit vier Frauen und Mädchen freigelassen, darunter die erst vierjährige Sylvia Samuel. Einen Tag später kehrten die Überlebenden in ihre Heimat zurück. Berichten zufolge hatten Angehörige für ihre Freiheit unter anderem drei Motorräder im Wert von jeweils mehr als zwei Millionen Naira bereitstellen müssen.
Für Hasana kam die Rettung zu spät. Nach ihrer Rückkehr wurde sie in ein Krankenhaus gebracht, wo sie ihrer schweren Erkrankung erlag. Von den elf ursprünglich Verschleppten war einer Person die Flucht gelungen; fünf starben bereits in Gefangenschaft. Zu ihnen gehörte die 33-jährige Joy Samuel, die während ihrer Gefangenschaft ein Kind zur Welt gebracht hatte. Mutter und Neugeborenes überlebten nicht. Ihre kleine Tochter Sylvia gehörte zu den schließlich Freigelassenen.
Weitere Opfer an Ostern
Die Entführten aus Awon wurden im selben Waldlager festgehalten wie 37 Gläubige aus der Gemeinde Ariko. Bewaffnete hatten sie am Ostersonntag, dem 5. April, bei koordinierten Angriffen auf drei Gottesdienste verschleppt. Zwölf Menschen konnten fliehen, 17 starben in Gefangenschaft. Die acht übrigen Geiseln wurden nach etwa fünf Monaten freigelassen. Unter den Todesopfern waren sämtliche verschleppten Männer.
Erneuter Angriff auf Nachbardorf
Noch während die Familien die Rückkehr der Überlebenden und den Tod Hasanas verarbeiteten, griffen Bewaffnete am 4. November das nahegelegene Dorf Akwando an. Irimiya Galadima (41) und Benjamin Danlami (32) wurden getötet. Mindestens 18 weitere Menschen, darunter Frauen, Kinder und ein nur vier Monate alter Säugling, wurden verschleppt.
Die wiederholten Angriffe zeigen, wie schutzlos viele Dorfgemeinschaften im Süden Kadunas bewaffneten Gruppen gegenüberstehen. Menschenrechtler fordern von den Behörden, die Bevölkerung wirksamer zu schützen und die noch festgehaltenen Geiseln zu befreien.