China: 31 Gläubige wegen Hauskirchenarbeit verurteilt

Peking/Wuhan -Im Zuge einer der umfangreichsten Verurteilungswellen gegen Christinnen und Christen der letzten Jahre haben chinesische Gerichte 31 Mitglieder einer nicht registrierten Hauskirche in der Provinz Hubei zu Haftstrafen zwischen zwei Jahren und vier Monaten sowie vier Jahren verurteilt. Die Behörden werfen ihnen vor, eine „sektenartige Organisation“ genutzt zu haben, um die Umsetzung staatlicher Gesetze zu untergraben.

Zu den Verurteilten gehört der 77-jährige Pastor Yang Zhijin, der zu drei Jahren und zwei Monaten Haft sowie einer Geldstrafe verurteilt wurde. Die längste Strafe erhielt der 73-jährige Gemeindeleiter Song Yude. Beide stammen aus der Nachbarprovinz Henan und waren in einem Netzwerk von Hauskirchen aktiv, das Gläubige über Provinzgrenzen hinweg miteinander verband.

Pastorale Tätigkeit und christliche Solidarität Dorn im Auge der Behörden

Nach Auffassung der Behörden bestand das Vergehen der Christen unter anderem darin, Bibelkreise und Gebetstreffen zu organisieren, Pastorenschulungen durchzuführen und verhafteten Glaubensgeschwistern rechtliche Unterstützung zu vermitteln. Besonders schwer wog aus Sicht des Gerichts, dass Kirchenleiter Geld sammelten, um Anwälte für festgenommene Christen zu bezahlen. Die Betroffenen selbst sehen darin gelebte Solidarität innerhalb der christlichen Gemeinschaft.

Die Festnahmen erfolgten bereits im Frühjahr 2024. Ermittler beschlagnahmten Bibeln, Gesangbücher, elektronische Geräte und private Kommunikationsdaten. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden die Angeklagten anschließend auf zahlreiche kleinere Verfahren verteilt, wodurch öffentliche Aufmerksamkeit und internationale Beobachtung erschwert werden sollten.

Seelsorge als „Beweismittel“

Kritiker werfen den chinesischen Behörden vor, den Straftatbestand der „Sektenorganisation“ zunehmend gegen friedliche Hauskirchen einzusetzen. Als Beweismittel dienten laut Gerichtsunterlagen nicht nur Gottesdienste und Gebetsversammlungen, sondern sogar seelsorgliche Gespräche, Ehevorbereitungskurse und Treffen von Pastoren zum gegenseitigen Austausch.

Menschenrechtsorganisationen sprechen von politisch motivierten Urteilen und fordern die sofortige Freilassung aller Verurteilten. Der Fall verdeutliche die anhaltende staatliche Kontrolle über religiöse Aktivitäten und den wachsenden Druck auf Christen, die ihren Glauben außerhalb der staatlich anerkannten Kirchen leben.

(churchinchains.ie)
05.06.2026