Venezuela: Bischof nach mehr als fünf Jahren Haft frei

Caracas – Nach mehr als fünf Jahren Gefängnis ist Bischof Jylman Red Jurado Farfán wieder frei. Der Geistliche wurde am 14. August aus dem Gefängnis Rodeo III im venezolanischen Bundesstaat Miranda entlassen. Menschenrechtsaktivisten bestätigten, dass er zu mindestens 81 Gefangenen gehörte, die an diesem Tag freikamen.

Jurado Farfán ist Bischof der unabhängigen Lateinamerikanischen Anglikanischen Kirche und wirkt in Caracas. Die Kirche gehört weder der Church of England noch der weltweiten Anglikanischen Gemeinschaft an.

Am 30. Juli 2021 war der Bischof unter einem Vorwand zu den Behörden vorgeladen und anschließend festgenommen worden. Ihm wurden Terrorismus, kriminelle Vereinigung und Verschwörung vorgeworfen. Seine soziale Arbeit wurde von den Behörden als Versuch gewertet, den Staat zu destabilisieren.

Schwere Vorwürfe nach der Freilassung

Das Verfahren gegen den Bischof war von erheblichen Unregelmäßigkeiten geprägt. Fast zehn Monate lang wurde ihm seine Gerichtsakte vorenthalten. Nach beinahe zwei Jahren Verhandlungen wurde der Prozess ausgesetzt, ohne dass schlüssige Beweise gegen ihn vorgelegt worden waren.

Besonders besorgniserregend war sein Gesundheitszustand. Noch im Juni wurde berichtet, dass Jurado Farfán unter einer atypischen Lungenentzündung, Interkostalneuralgie sowie Blutungen im oberen und unteren Magen-Darm-Trakt litt.

Nach seiner Freilassung erhob der Bischof zudem schwere Foltervorwürfe. Nach Angaben des venezolanischen Menschenrechtsaktivisten Jesus Marcano berichtete er, dass ihm während der Haft Zehennägel herausgerissen worden seien. Außerdem sei eine Brandwunde auf seiner Brust mit elektrischem Strom erneut verletzt worden.

„Der Herr zerbrach die Ketten“

Trotz der erlittenen Gewalt blickt Jurado Farfán aus seinem tiefen Glauben heraus auf die Jahre im Gefängnis zurück. Nach seiner Freilassung dankte er allen, die sich für ihn eingesetzt hatten. „Der Herr zerbrach die Ketten der Unterdrückung, der Angst und der Folter und schenkte uns körperliche Freiheit“, erklärte der Bischof.

Während seiner fünf Jahre und 15 Tage in Haft habe er erfahren, dass Gott ihm jeden Morgen seine Barmherzigkeit gezeigt habe. Freiheit, so Jurado Farfán, sei ein kostbares Geschenk, das aus der Gegenwart Gottes komme.

Menschenrechtsexperten begrüßten seine Freilassung, betonten jedoch, dass der Bischof niemals hätte inhaftiert werden dürfen. Zugleich forderten sie eine Aufarbeitung der Foltervorwürfe und der unzureichenden medizinischen Versorgung während seiner Haft. Die venezolanischen Behörden stehen darüber hinaus in der Verantwortung, religiöse Verantwortungsträger nicht wegen ihres friedlichen sozialen Engagements zu verfolgen.

(CSW)
02.09.2026