Kuba: Pastor seit zwei Wochen ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft

Havanna – Mit wachsender Sorge blicken Gläubige in Kuba auf das Schicksal des protestantischen Pastors Alexis Padrón Lorenzo. Der Leiter der „Communion in Faith Church“ befindet sich seit dem 10. Juni ohne Kontakt zu seiner Familie in Haft. Menschenrechtsorganisationen befürchten, dass sich sein Gesundheitszustand aufgrund einer schweren rheumatoiden Arthritis erheblich verschlechtert haben könnte.

Behördenwillkür gegen Regierungskritiker

Der Pastor wurde ohne schriftliche Vorladung zu einer Polizeidienststelle in Regla bei Havanna bestellt und dort festgenommen. Die Behörden werfen ihm „Störung der öffentlichen Ordnung“ vor. Nach Angaben seiner Gemeinde wurde er während der Verhöre körperlich misshandelt. Seine Angehörigen weisen die Vorwürfe gegen ihn entschieden zurück.

Der Festnahme waren mehrere Tage mit Strom- und Wasserausfällen vorausgegangen. Pastor Padrón Lorenzo hatte öffentlich Regierungsvertreter kritisiert, denen er vorwarf, die Bevölkerung über die Versorgungslage zu täuschen. Während einer Demonstration sprach er das Leid vieler Menschen offen an und äußerte Kritik am kommunistischen System. Augenzeugen berichten, dass er daraufhin angegriffen wurde. Nach seiner Rückkehr in die Gemeinde wurde zudem eine sogenannte „Verleumdungs- und Einschüchterungsaktion“ gegen ihn organisiert.

Haft belastet Familie

Seit mehr als 23 Jahren engagiert sich Pastor Padrón Lorenzo gemeinsam mit seiner Frau Roselin Benítez Cruz im Gemeindedienst. Die rund 50 Mitglieder zählende Gemeinde verbindet die Verkündigung des Evangeliums mit sozialer Hilfe für bedürftige Menschen. Nach Einschätzung von Gemeindemitgliedern geriet der Pastor gerade wegen seines Einsatzes für Benachteiligte und seiner öffentlichen Kritik an Missständen zunehmend ins Visier der Behörden.

Seine Inhaftierung belastet auch seine Familie schwer. Der Pastor ist der Hauptverdiener des Haushalts. Besonders betroffen ist sein Sohn Jonathan Eduardo Padrón Benítez, der aufgrund gesundheitlicher Probleme auf regelmäßige Betreuung angewiesen ist. Menschenrechtsorganisationen fordern die kubanischen Behörden auf, Pastor Alexis Padrón Lorenzo unverzüglich freizulassen, rechtsstaatliche Verfahren zu gewährleisten und sicherzustellen, dass niemand wegen seines Glaubens, seiner friedlichen Meinungsäußerung oder seines sozialen Engagements verfolgt wird.

26.06.2026
(CSW)