Nigeria: „Wir wollten nicht fliehen“ – Zwei Gläubige berichten von Verfolgung
Abuja/Jos – Hinter den Statistiken über Christenverfolgung stehen Menschen, deren Leben sich oft von einem Tag auf den anderen grundlegend verändert hat. Zwei aktuelle Berichte aus dem nigerianischen Bundesstaat Plateau geben Einblick in das Schicksal einer Christin und eines Christen, die beide wegen ihres Glaubens Gewalt, Haft und Ausgrenzung erlebten.
Tote und Verletzte nach Fulani-Terror
Pastor Goodluck Godson leitete eine große Kirchengemeinde in Miango, als im Jänner 2026 bewaffnete Fulani-Islamisten sein Dorf überfielen. Die Angreifer steckten die Kirche und zahlreiche Wohnhäuser in Brand, Menschen wurden verletzt oder getötet. Viele Bewohner wollten fliehen. Der Pastor rief die Christen jedoch dazu auf, ihre Heimat nicht aufzugeben und sich nicht einschüchtern zu lassen. Dadurch geriet er selbst ins Visier der Täter. Wiederholt erhielt er Morddrohungen. Statt Schutz zu erhalten, rieten ihm staatliche Stellen, seine Gemeinde zu verlassen. Als er blieb, wurde er schließlich unter konstruierten Vorwürfen festgenommen und inhaftiert. Erst nach öffentlichem Druck kam er wieder frei. Heute hilft er seiner Gemeinde beim Wiederaufbau der zerstörten Kirche und der Häuser.
Blasphemie-Vorwurf gegen Christin
Auch die Lehrerin Josephine Maman aus Barkin Ladi berichtet von schwerem Unrecht. Die 38-Jährige unterrichtete Grundschulkinder und erklärte im Religionsunterricht den christlichen Glauben. Nachdem zwei muslimische Schüler ihren Unterricht zu Hause geschildert hatten, wurde sie der Ketzerei und später der Blasphemie beschuldigt. Sie verlor ihre Arbeitsstelle, wurde verhaftet und trotz fehlender Verteidigung zu einer mehrjährigen Haft verurteilt. Erst nach drei Jahren gelang es Anwälten, ihren Fall neu aufzurollen. Im Mai 2026 wurde sie freigelassen und erhält inzwischen Unterstützung beim Neuanfang. Ihren Glauben habe sie trotz allem nicht verloren: Keine Anklage könne sie davon abbringen, Jesus Christus als Erlöser zu bezeugen, sagt sie.
Staatliches Versagen für Viele trauriger Alltag
Die beiden Berichte verdeutlichen, welchen persönlichen Preis viele christliche Gläubige in Teilen Nigerias bezahlen. Sie erzählen von Gewalt, staatlichem Versagen und missbräuchlichen Strafverfahren – zugleich aber auch von Menschen, die trotz Bedrohungen an ihrem Glauben festhalten und ihre Gemeinden nicht im Stich lassen.