Islamabad/ Rawalpindi

Pakistan: Christin wegen Blasphemie-Vorwürfen im Gefängnis

Die Christin Shagufta Kiran wartet bereits seit Juli letzten Jahres auf ihren Prozess.

Kiran wurde am 29. Juli 2021 festgenommen, weil sie eine WhatsApp-Nachricht mit angeblich blasphemischen Inhalten weitergeleitet hatte. Eine Anhörung sollte erst im Mai stattfinden, wurde jedoch wegen Abwesenheit des Anwalts der Beschwerdeführerin auf kommenden Montag, 6. Juni, verschoben.

Ihr Mann schildert die Vorkommnisse im Juli 2021. Am 29. Juli durchsuchte die Polizei gegen 4 Uhr die Wohnung der Familie in Islamabad und verhaftete Shagufta und ihre beiden Söhne (10 und 12 Jahre) unter dem Vorwurf, gegen die pakistanischen Blasphemiegesetze verstoßen zu haben. „Sie belästigten meine Familie und beschlagnahmten unsere Telefone, Computer und andere Wertgegenstände. Die bewaffneten Polizisten wiesen uns an, uns nicht zu bewegen und die Hände hochzuhalten. Sie verhafteten Shagufta und meine beiden Söhne ohne vorherige Information oder Haftbefehl. Sie brachten meine Frau und meine Söhne auf die Polizeiwache, […] ließen meine Söhne aber später wieder frei.“, so Shaguftas Ehemann Rafique.

Shagufta, die früher als Krankenschwester arbeitete, hatte sich mehreren interreligiösen Whats-App-Gruppen angeschlossen, in denen sie ihren Glauben vertrat. In einer dieser Gruppen wurde ihr die Weiterleitung blasphemischer Inhalte vorgeworfen. Rafique dazu: „Sie wusste nichts von dieser Nachricht, sie war nicht einmal Autorin dieser fraglichen Nachricht. Sie wurde lediglich beschuldigt, diese weitergegeben zu haben.“ Sie wurde nun in mehreren Punkten angeklagt. Ihr wird vorgeworfen, den Islam und Mohammed beleidigt und religiöse Gefühle verletzt zu haben.

Ihre Familie musste aus Angst vor Repressalien aus ihrer Heimatstadt Islamabad fliehen. Rafique ist mit den vier Kindern, einer Tochter (18) und drei Söhnen (10, 12 und 15), untergetaucht. Sie können aktuell weder zur Arbeit noch in die Schule gehen.

Die Blasphemie-Gesetze werden in Pakistan immer wieder dafür missbraucht, gegen Mitglieder religiöse Minderheiten vorzugehen. Oftmals werden diese verhaftet und die Behörden benötigen nach der Verhaftung lange Zeit, um in den Fällen zu ermitteln. Joseph Jansen, Präsident von Voice for Justice kritisiert das Gesetz und Vorgehen der Behörden: „Diese Gesetze werden missbraucht, um die Meinungs-, Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit einzuschränken, wie mehrere Fälle, einschließlich Shagufta Kirans, gezeigt haben. Sie berücksichtigen nicht die Unschuldsvermutung, die Verhältnismäßigkeit von Strafen usw. Im Gegenteil – der Ankläger genießt trotz Beweiserfindung Straffreiheit“.

(Church in Chains)