Peking/ Ezhou

China: Pastorin zu acht Jahren Haft verurteilt

Die 51-Jährige ist bereits seit Mitte 2019 wegen Betrugsvorwürfen im Gefängnis und wird nun gegen das Urteil Berufung einlegen.

Das Bezirksgericht Echeng der Stadt Ezhou im Osten der chinesischen Provinz Hubei verurteilte die Pastorin Hao Zhiwei vor wenigen Tagen wegen angeblichen Betruges in Zusammenhang mit der Verwaltung der Mitgliedsbeiträge ihrer Hauskirche zu acht Jahren Haft. Nachdem sie nun ihr Anwalt Si Weijiang im Gefängnis besuchen konnte, beschloss sie gegen das Urteil Berufung einzulegen.

Ursprünglich war Hao Zhiwei eine bei den staatlichen Behörden registrierte Pastorin der offiziell anerkannten protestantischen „Three-Self Patriotic Movement“-Kirche, hatte diese aber wegen des staatlichen Einflusses auf die Kirche verlassen. Seit sie ihre eigene Hauskirche leitete, war sie der anhaltenden Verfolgung durch die Behörden ausgesetzt und im August 2019 zerstörten Beamte der Kommunistischen Partei das Kirchengebäude.

Laut den Aussagen ihres Anwalts Si Weijiang, sei sie die erste die wegen des konstruierten Vorwurfs des Betruges angeklagt wurde. Nach der Festnahme von Pastorin Hao verhafteten die staatlichen Behörden weitere Pastoren protestantischer Hauskirchen.

Ende November 2021 kommentierte Li Yingqiang von der „Chengdu Early Rain Covenant“-Kirche das Vorgehen der Behörden: „Chinesische Hauskirchen erhalten Spenden von Gläubigen und verwenden das Geld, um Geistliche finanziell zu unterstützen. Dies entspricht der Lehre der Heiligen Schrift und wird von Kirchen weltweit so gehandhabt. Die Opfergaben der Gläubigen und die Unterstützung der Kirche für Geistliche sind eng mit der Identität und Mission der christlichen Kirchen verbunden. […] Seit dem Inkrafttreten der neuen ‚Verordnung über religiöse Angelegenheiten‘ im Februar 2018 hat die chinesische Regierung viele verschiedene Wege zur Verfolgung von Hauskirchen eingeschlagen: die Entfernung von Kreuzen, das Schließen und Abreißen von Kirchengebäuden, das Verbot von kirchlichen Spenden und Opfergaben, chinesische Vereinnahmung und Um-Interpretierung christlicher Inhalte und die Verhaftung von Geistlichen unter dem Vorwurf des Betruges […] weitere Anklagepunkte sind meist illegale Geschäftstätigkeit, Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt, Erregung öffentlichen Ärgernisses und so weiter […].“

Haos Ehemann starb 2018 an Leberkrebs. Nach ihrer Verhaftung kümmerte sich ihr älterer Sohn Paul (18) um seinen Bruder Moses (14) bis er zum Studieren an eine Universität in der Provinz Zhejiang ging. Seither wird Moses von einer Teilzeit-Haushaltshilfe und einigen Frauen aus der Kirche betreut und leidet an Depressionen.

(churchinchains.ie)

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