Wien/ Kabul

Österreich: Außenministerium blockiert Visum für afghanische Astronomin

Nach einer ursprünglichen Zusage seitens des österreichischen Außenministeriums, sitzt die Wissenschaftlerin und Frauenrechtlerin Amena Karimyan nun in Pakistan fest.

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften, die Universität Graz und das Forum Stadtpark Graz hatten – nach der Zusage des Außenministeriums ein Visum auszustellen – einen Forschungsaufenthalt Karimyans in Österreich organisiert. Nun bricht das Außenministerium sein Wort.

Karimyan ist aufgrund der aktuellen Situation psychisch angeschlagen. Alexander Pollak von SOS Mitmensch hält gegenüber FM4 fest: „Weil sie dort festsitzt, kein Geld hat und überhaupt keine Perspektive. Auf dem Weg nach Pakistan wurde sie von den Taliban verhaftet und geschlagen, dann aber zum Glück wieder freigelassen. Und sie versteht nicht, warum die Visums-Zusage jetzt auf einmal null und nichtig sein soll. Man muss bedenken: Auch in Österreich sind die technischen Fächer noch immer eine Männerdomäne. In Afghanistan ist das noch viel mehr der Fall. Insofern ist Karimyan also eine Pionierin: Sie hat Technik studiert, das Astronomie-Institut gegründet – unter schwierigsten Bedingungen und als Frau. Die meisten Länder der Welt wären stolz, so eine Frau bei sich zu Gast zu haben oder aufnehmen zu können.“

In einem Beitrag der Science Busters auf FM4 wurde die, durch das österreichische Außenministerium verursachte, Notlage der jungen Wissenschaftlerin ebenfalls thematisiert.

(FM4)

 

12.01.2022 – UPDATE: Bundesrepublik Deutschland gewährt Karimyan dreimonatiges Visum mit Aussicht auf reguläres Asylverfahren

Nach dem moralischen Versagen der zuständigen österreichischen Behörden, befindet sich die Wissenschaftlerin und Frauenrechtlerin nun in Sicherheit. Deutschland hat Karimyan auf die Liste besonders gefährdeter Personen gesetzt und wenige Tage später ausgeflogen. Sie befindet sich nun in einem Flüchtlingsheim in der Lüneburger Heide.

(morgen@falter.at)