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Christen in Not unterstützt wieder den Weltgebetstag für verfolgte Christinnen und Christen

Wenn wir mit den Geschichten und Schicksalen von Menschen konfrontiert werden, die für ihren christlichen Glauben leiden, kann man sich schnell hilflos fühlen. Man kann Christenverfolgung als etwas weit Entferntes, nicht Änderbares und zu Komplexes abtun. Durch die Worte Paulus werden wir zur Solidarität berufen: „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit.“ (1 Kor 12,26)

Die für uns selbstverständliche Religionsfreiheit wird in zahlreichen Ländern der Erde ignoriert, mit Füßen getreten und mit Gewalt verhindert. Angesichts dessen ist Handeln und Gebet wichtiger denn je. Seit Jahren unterstützt die ökumenische Menschenrechtsorganisation Christen in Not den Aufruf mehrerer christlicher Organisationen zu einem Weltgebetstag für verfolgte Christinnen und Christen in über 100 Ländern der Welt. Wie bereits in der Zeitschrift CiN-aktiv angekündigt, wird auch heuer diese Initiative wieder unterstützt und zum Gebet an einem Sonntag im November aufgerufen.

Im Fokus des von Christen in Not bereitgestellten Begleithefts sind zum einen Länder, in denen eine schwierige Situation für christliche Gläubige herrscht, und zum anderen werden auch Einzelschicksale beleuchtet. Einige dieser Einzelschicksale verfolgen wir teils über Jahrzehnte. Hier ein paar dieser Schicksale christlicher Glaubensgeschwister:

Der koreanisch-kanadische Pastor Hyeun Soo Lim leistete jahrelang humanitäre Hilfe in Nordkorea und wurde 2015 wegen angeblicher „staatsfeindlicher Aktivitäten“ zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt. Im August 2017 wurde er überraschend freigelassen, was an ein Wunder grenzt.

Tödlich endete der Einsatz des koreanisch-chinesischen Pastors Han Choong Yeol für seine christliche Gemeinde in Nordkorea. Er wurde im April 2016 von nordkoreanischen Geheimagenten ermordet.

Weltweit Schlagzeilen machte der Fall von Asia Bibi. Sie war die erste Frau, die in Pakistan wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt wurde. Die Tagelöhnerin einer Obstplantage wurde unter falschen Anschuldigungen 2009 verhaftet. Schließlich kam die Katholikin 2018 nach Berufung vor dem Obersten Gerichtshof des Landes frei und lebt heute mit ihrer Familie in Kanada. Vor kurzem forderte sie die Abschaffung des Blasphemiegesetzes.

Das assyrisch-christliche Ehepaar Victor und Shamiram Bet-Tamraz wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, nachdem sie muslimischen Mitmenschen vom Christentum erzählten. Kurz bevor sie ihre Haftstrafen im berüchtigten Evin-Gefängnis antreten sollten, flüchteten sie aus dem Iran.

Twen Theodros wurde im Jänner 2005 bei einem Treffen einer Untergrundkirche festgenommen und inhaftiert. Wie die meisten Gefangenen Eritreas wurde sie nie angeklagt oder vor Gericht gestellt. Ende 2020 wurde sie schließlich freigelassen. Dank ihres Glaubens überstand sie die menschenrechtswidrigen Bedingungen der Haft.

Bakhrom Kholmatov (Tadschikistan) wurde im April 2017 verhaftet und zu drei Jahren Haft verurteilt, weil er als Pastor „extremistische Lieder in der Kirche gesungen“ und „religiösen Hass ausgelöst“ hat. Viele CiN-UnterstützerInnen haben ihm 2019 schriftliche Weihnachtsgrüße gesendet. Schließlich wurde Kholmatov drei Monate früher aus der Haft entlassen. Nach seiner Freilassung bedankte er sich bei allen die ihn unterstützt und an ihn gedacht hatten.

Im April 2018 wurde der Geistliche Nguyen Trung Ton zu 12 Jahren Haft verurteilt. Er hatte sich in seinem Heimatland Vietnam für die Menschenrechte und demokratische Strukturen eingesetzt. Wie Christen in Not zuletzt berichtete, wurde er mit dem Stefanus-Preis wegen seiner Bemühungen um die Menschenrechte in Vietnam ausgezeichnet. Letzten Meldungen zufolge befindet er sich nach wie vor in Haft.

Auch über den Fall Faiza Mushtaq berichtete CiN immer wieder. Sie wurde zum Islam gezwungen, da sie während des Unterrichts Texte auf Arabisch gelesen hatte. Die Schulleitung interpretierte dies als Bekenntnis zum Islam. Faiza wurde entführt und mit Gewalt an eine Koranschule überstellt. Mit Hilfe der CiN-SpenderInnen wurde ihre Familie mit Waren des täglichen Bedarfs und Bildungsmöglichkeiten für die Geschwister unterstützt.

Saheb Fadaie (Iran) wurde 2017 wegen der Gründung einer Hauskirche zu 10 Jahren Haft verurteilt. Der Vater einer Tochter wurde 2018 weiters wegen „Propaganda gegen das Regime“ verurteilt und musste bereits im Oktober 2016 eine Strafe von 80 Peitschenhieben wegen des Konsums von Messwein während eines Gottesdienstes einstecken. Im Juni 2020 wurde seine zehnjährige Haftstrafe auf sechs reduziert. Im Februar 2022 soll er im Gefängnis an Corona erkrankt sein.

Der armenisch-iranische Geistliche Joseph Shahbazian wurde im Juni 2020 festgenommen und befindet sich seither in Haft. Die iranischen Behörden verhörten ihn und setzten anschließend eine astronomisch hohe Kaution für seine Freilassung fest. Im August bestätigte ein iranisches Berufungsgericht seine Haftstrafe im Ausmaß von 10 Jahren.

(CiN, kna/kap, va.news, churchinchains.ie, OD, amnesty)